„Talent Meets Media“-Teilnehmer lösen Gewinne ein
„Eigentlich schade, dass ein Zukunftsforscher für seinen Vortrag eine Leinwand benutzt und kein Hologramm“, witzelt Markus Wyrwich. Technisch betrachtet mag das stimmen, aber auch „klassisch“ mit Power Point und Beamer vermochte Matthias Horx seine Zuhörer zu überzeugen: Bildhaft schilderte der renommierte Trendforschers vom Zukunftsinstitut in Kelkheim Wyrwich und zehn anderen Studenten im Marienfelder Hotel Klosterpforte Prognosen über die kommenden Jahre: Die Bevölkerung werde älter, Zielgruppen splitten sich immer stärker – Herausforderungen für die Medienwelt gebe es genug. Lösungen allerdings auch – sofern man solche Tendenzen nur rechtzeitig erkenne.
Genau darum ging es am Montag, den 13. Oktober und dem folgenden Dienstag: Trends erkennen, bewerten und die richtigen Management-Schlüsse daraus ziehen – das sollten die von Bertelsmann eingeladenen elf Studenten während eines zweitägigen Workshops mit dem Titel „Media 2020 – Chancen und Herausforderungen der Medien- und Verlagsbranche“ lernen. Kein aus der Luft gegriffenes Thema übrigens: Die Konzernentwicklung führte jüngst zusammen mit dem Institut für Demoskopie Allensbach und weiteren Partnern eine großangelegte Umfrage über die Mediennutzung der Zukunft durch. Die Hochschüler mussten also nicht ins Blaue hinein diskutieren, sondern konnten auf Grundlage realer Zahlen Ideen entwickeln.
Bertelsmann-Vorstand von Qualitäten überzeugt
Verdient hatte sich die Studenten-Gruppe die Möglichkeit zum Gedankenaustausch mit renommierten Experten, weil sie bei „Talent Meets Media“ im Juni den versammelten Bertelsmann-Vorstand von ihren Qualitäten überzeugt und den dritten Platz erreicht hatte (das BeNet berichtete).
Bereits eingelöst hat auch die damals zweitplatzierte Gruppe ihren Gewinn: Für die acht Studenten ging es vom 30. Juni bis zum 10. Juli zur „TV Summer School 2008“ nach Köln. Dort lernten sie an der RTL-Journalistenschule Details über den deutschen Fernsehmarkt, besuchten Studios – und taten noch mehr. „Das diesjährige Programm war ein Rundumschlag durch die TV-Landschaft“, erklärte Schulleiter Leonard Ottinger. War die erste Woche primär mit Vorträgen bestückt, wurde es in der zweiten Woche praktisch: In eine Management- und eine Inhalts-Gruppe aufgeteilt, galt es einen fiktiven Fernsehkanal mit zugehöriger Social Network-Plattform zu entwickeln, inklusive Programm, Finanzplan und Abteilungs-Organigramm. Am letzten Tag mussten die jungen Talente ihre Ergebnisse präsentieren – und begeisterten die Jury. „Das Konzept war durchdacht und gut recherchiert“, freute sich Ottinger.
Kein Wunder: Bereits in Berlin lobte Hartmut Ostrowski den Pragmatismus der Gruppe. Die damalige Idee, das neue Learning und Education Portal Scoyo um ein Online-Nachhilfeportal, Lehrer-Ranking und eine Wissensdatenbank zu erweitern sei „eine innovative Idee, die gut in das bestehende Konzept passe“, so der Vorstandsvorsitzende damals. Auch die eingeladenen Hochschüler haben den zweiwöchigen Ausflug nach Köln genossen: „Wir haben großes Lob und viel positives Feedback bekommen“, berichtet Ottinger. Besonders gefallen habe den Studenten, allgemeine BWL-Kenntnisse einmal konkret auf den TV-Bereich anwenden zu können.
Medienlandschaft ist wie ein Süßwarenstand
Die Umwandlung abstrakter Vorstellungen in greifbare Ergebnisse wünschten sich auch die Teilnehmer der Zukunfts-Gruppe in Marienfeld. „Ich freue mich darauf, die Gedanken über die Zukunft, die man sich ja sonst eher im stillen Kämmerlein macht, einmal mit Experten diskutieren zu können“, so Student Jan Kubran zu Beginn der Veranstaltung.
Dass dabei viele kreative Ideen entstanden, zeigte schon die kurze Vorstellungsrunde zu Beginn. Gefragt, wie sie denn die aktuelle Situation der Medien sehe, packt eine Studentin prompt eine Tüte Gummibärchen aus. „Es gibt zwar verschiedene Farben, das heißt verschiedene Inhalte, aber die sind nicht kundenspezifisch zusammengestellt“, erklärt sie. Die Medienlandschaft der Zukunft stelle sie sich dagegen eher vor wie einen kompletten Süßwarenstand: „Der Konsument nimmt sich eine leere Tüte und kann hineinfüllen, was immer er will – ein paar Gummibärchen, ein bisschen Lakritze, etwas Saures, je nach Geschmack.“
Mit Chipkarte und „Telefonzelle“ ins Internet
Bei so bildhaften Erläuterungen wie dieser freute sich auch Dalia Das aus der Konzernentwicklung, die den Workshop zusammen mit Judith Charles (Zentrale Managemententwicklung) organisierte. Sie stellte den Teilnehmern auch die Ergebnisse der Umfrage zur Mediennutzung vor. „Diese Befragungs-Ergebnisse mit den Vorstellungen dieser jungen Zielgruppe abzugleichen, ist für uns besonders spannend“, erklärte sie.
Und spannend-kreativ war es tatsächlich, als die Studenten am zweiten Workshop-Tag mögliche Trends sowie entsprechende Businessmodelle präsentierten, die sie zuvor in Teams erarbeitet hatten. So überlegte sich eine Gruppe beispielsweise, was für Geschäftsmöglichkeiten sich ergeben würden, wenn viele Menschen beschlössen, wieder bewusst offline leben zu wollen. Ihre Idee: Eine Art Chipkarte, die jeder bei sich tragen und an bestimmten „Telefonzellen“ ans Internet anschließen und synchronisieren kann. Eine andere Gruppe arbeitete am gegenteiligen Szenario: Greifen immer mehr Leute zum Internet und gehen konventionelle Werbemethoden wie Banner dort zunehmend in der Masse unter, wäre zielgerichtetes Marketing und imagepflegende Offline-/Online-Kampagnen eine neue Idee, um Aufmerksamkeit zu sichern – und Arvato beispielsweise ein Unternehmen, das diese Dienstleistung für andere Firmen übernehmen könnte.
„Außerordentlich interessantes Programm“
So unterschiedlich die ausgearbeiteten Vorschläge waren, so einig waren sich die Studenten bei der abschließenden Bewertung der Veranstaltung: „Das Programm war außerordentlich interessant“, urteilt Studentin Friederike Ohde. „Wir haben hier zum Beispiel mit der so genannten Szenario-Technik gearbeitet. Die kannte ich noch nicht und es ist erstaunlich, wie schnell man dadurch zu konkreten Ideen kommt. Die Teilnahme an ‚Talent Meets Media‘ hat sich also auf jeden Fall gelohnt.“
Das gleiche Feedback kam auch von der erstplatzierten Gruppe der Dach-Veranstaltung in Berlin. Bereits im September hatte Bertelsmann diese nach San Francisco zu den Innovationsspezialisten von IDEO eingeladen (das BeNet berichtete). Der Talent-Wettbewerb ist Teil der Initiative „Create Your Own Career“, deren Ziel es laut Konzernpersonalchef Immanuel Hermreck ist, „die Marke Bertelsmann auf dem Personalmarkt wieder richtig stark zu machen.“ (sk)
Was bedeutet CYOC?
CYOC ist die Abkürzung für “Create Your Own Career”.
Der Slogan steht für die individuellen Karrieremöglichkeiten und die unternehmerische Freiheit, die Mitarbeiter bei Bertelsmann erleben. Das folgende Video veranschaulicht, was "Create Your Own Career" für unsere Mitarbeiter bedeutet.
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